Na klar. Studenten haben eine Daseinsberechtigung. Das will ich auch gar nicht ändern. Ich plädiere für etwas anders:
Zugabteile für den Akademiker-Nachwuchs. Meinetwegen auch 1.Klasse. Dann können sich die Betroffenen entspannt auf ihren harten Uni-Alltag vorbereiten. Dann sind sie unter sich. Und verbreiten nicht das im gesamten Zug, was sie am liebsten verbreiten: Angst
Angst davor, dass alle anderen das Gefühl beschleichen könnte eventuell noch ein bisschen mehr leisten zu müssen, um den Stress zu haben, den eine Pädagogik-Vorlesung zur frühkindlichen Erziehung annähernd hat.
Wer wie ich oft zur Studenten Rushhour zwischen neun und zehn Uhr (also morgens) in einem Vierer Platz nimmt, der erlebt es hautnah und hat Sätze wie:“Ich weiß gar nicht, wie ich das alles heute schaffen soll.“ und „Trägst Du mich in die Anwesenheitsliste ein?“ fest in seinem eigenen Wortschatz integriert.
Irgendwas scheint nicht zu stimmen. Denn zumindest in den Vierer-Gesprächen geht es vor allem darum, wie man möglichst viel Freizeit von der Uni abzwacken kann. Das ist nachvollziehbarer Stress.
Ehrlich. Ich verstehe das.
Und wenn Prof. A die Vorlesung kompliziert macht, ich den Schein aber auch bei Prof. B. machen kann, dort aber eine Anwesenheitspflicht herrscht die ich aber wirklich nicht immer erfüllen kann, weil ich definitiv Stress habe, dann ist es wirklich, also wirklich, wirklich – Stress.
Vor ein paar Tagen hatte ich mein Taschentuch wirklich schon fast gezückt. Also – für meine eigenen Tränen. Ich war kurz davor meinen 13. Tag am Stück im Büro zu verbringen. Ohne Partywochenende. Ich wollte einfach mal so weinen. Irgendwie sollte mein Frust über zu viel Freizeit und Leerlauf in meinen Leben raus.
Meine Endstation kam dazwischen.
Ich blieb noch ein wenig sitzen und ließ die gestressten Studenten an mir vorbeiziehen. Sie hatten es definitiv eiliger.
Ich genoß drei Sekunden Stille in meinem Vierer und war kurz davor mich aus meiner eigenen Anwesenheitsliste für diesen Arbeitstag auszutragen.
Der Schaffner machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich musste raus.
Vor mir sah ich die Studie-Lemminge immer geradeaus Richtung Uni laufen.
Ich bog nach rechts. Raus aus der Studie-Hölle.
Zumindest bis zum nächsten Morgen.