Bistehipster?

Individualität. Gegen den Strom schwimmen. Sich in keine Schublade pressen lassen. Hipster sein.

Klingt super – im Zug ist das aber alles nicht mehr als blanke Theorie. Hier sind so ziemlich alle in ihre Schublade gepresst. Denn: Struktur muss sein.

Was auf jeden Fall jeden Morgen passiert: Wenn es irgendwie geht, sitzt jeder auf seinem Stammplatz.

Das geht schon im Bahnhof los. Denn für jeden Pendler ist zumindest klar, ob er die Treppen links oder rechts hoch zum Bahnsteig geht.

Danach stellt er sich auf demselben auch immer auf die gleiche Stelle. Manchmal denke ich drüber nach, zum Start in den Pendlermorgen einfach einmal Kreide mitzunehmen und jedem Pendler seinen Platz mit dem dazugehörigen Namenszug einzukreiden. Am besten ist, wenn man vorher auch noch die Uhrzeit mit verewigt, zu der der Betroffe auf dem Bahnsteig eintrifft. Denn auch die ist übrhaupt nicht individuell, sondern eigentlich immer gleich.

Dieses Phänomen setzt sich dann natürlich weiter fort, wenn es in den Zug geht. Rechtsherum zur Sitzplatzsuche, so mache ich das immer. Und das immer im ersten Waggon.

Das kann so weit gehen, dass jemand mit mir seit Jahren jeden Tag in ein und  denselben Zug einsteigt, ich ihn aber nie treffen werde. Neben mir sitzen wird er wohl auch nie. Denn selbst die Sitzplätze sind im Geiste eigentlich mit Namensschildern versehen.

Und wenn man dann sitzt, dann guckt man sich erst einmal um. Sind alle da? Na dann kann es ja losgehen.

Wenn jemand fehlt, dann geht es natürlich auch los. Aber man denkt kurz darüber nach, was denn wohl mit Verkäuferin A, Student B oder Lehrer C sein könnte, ohne zu wissen, ob die Berufsbezeichnungen eigentlich stimmen.

Während der Fahrt fokussiert man jeden einzelnen Bekannten. Hat die nicht ne neue Haarfarbe? Na der hat aber ganz schön zugelegt. Sie sieht heute aber ziemlich müde aus. Ach ja, die Dauertelefoniererin ist auch wieder da. Toll.

Und so geht es dann die ganze Fahrt.

Wer wann und wo aussteigt, ist kein Geheimnis, es ist Gesetz.

Am Zielort angekommen, werde ich mich irgendwann mal auf dem Bahnsteig stellen und eine Umfrage starten.

Sind Sie flexibel? Lieben Sie es individuell zu sein? Was ist mit festen Strukturen? Hipster?

Ich glaube die Antworten zu kennen, aber vielleicht werde ich ja überrascht….

 

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