Blaubeeren zum Frühstück

Komme gerade wieder aus dem Zug.

Während der Fahrt unterhielten sich drei Jugendliche in ihrem „Vierer“ über Gott und die Welt. Unter anderem auch die Welt im Zug.

„Alter, da fahren aber auch manchmal schrägeTypenmit.“

Das kann ich bestätigen. Aber manchmal stehen diese Typen nicht nur neben sich, sondern auch neben dem Zug.

Es mag jetzt so drei Jahre her sein. Ich nahm meinen morgendlichen Standardzug zur Arbeit, in dem ich übrigens nie schlafen kann. Wahrscheinlich liegt das weniger an der Angst meinen Ausstieg zu verschlafen, als vielmehr an der Angst etwas zu verpassen.

Wir hatten den Zielbahnhof fast schon erreicht. Die ersten Eiligen waren aufgestanden um möglichst schnell aus dem Zug herauszukommen, als der Zug kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof abrupt stoppte. Bahnfahrer-Profis machen sich jetzt natürlich noch keine Gedanken. Das wäre so, als wenn man sich jedesmal einen Kopf machen würde, wenn der Pizzadienst zwei Minuten nach der vereinbarten Lieferzeit immer noch nicht da ist. So etwas kommt vor.

Die folgende Durchsage des Triebfahrzeugführers wurde dann aber zur Inittialzündung für diesen Blog.

„Sehr geehrte Fahrgäste, die Weiterfahrt unseres Zuges verzögert sich um wenige Minuten, weil am Streckenrand eine ältere Dame Blaubeeren pflückt.“

Ich muss zugeben, ich war sprachlos.

Es ratterten gleich mehrere Fragen durch meinen Kopf. Warum tut sie das? Warum wachsen an der Strecke Blaubeeren? Warum bin ich da noch nicht drauf gekommen? Warum habe ich jetzt Hunger? Wie sieht jemand aus, der morgens um 9 an einer Bahnstrecke steht und Blaubeeren pflückt?

Zumindest auf die letzte Frage bekam ich wenige Minuten später eine Antwort. Als wir unsere Fahrt im Schritttempo fortsetzen konnten stand sie da:

Rotkäppchen reloaded

So um die 70 Jahre alt. 1 Meter 70 groß. Rotes Kopftuch. Eine Kittelschürze die mindestens so alt war wie ihre Trägerin. Ein roter Plastikeimer. Und daneben: Ein Polizist

Ich verspürte kurz den Drang zu applaudieren und irgendetwas zu tun, das noch viel mehr verboten war, nur um den Polizisten auf mich aufmerksam zu machen, damit er von meiner Tagesheldin abließ.

Ich blieb sitzen.

Aber wenn ich sie noch mal sehe, helfe ich ihr und backe mit ihr Blaubeerkuchen.

Versprochen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert