Larissa

Es gibt so Begegnungen im Vierer, die werden in der Erinnerung für immer bleiben. Der Grund heute: Larissa

Sie setze sich heute auf meinem Rückweg mir gegenüber. Neben ihr saß Lars. Das wusste ich am Anfang zwar noch nicht, das sollte sich aber bald ändern.

Lars kannte Larissa bis dahin auch noch nicht. Was aus den beiden geworden ist kann ich nicht sagen. Mir reichten auch die 20 Minuten die ich Larissa kennenlernen durfte.

„Darf ich mal was fragen?“ Larissa wartete die Antwort von Lars und mir gar nicht mehr ab. „Hält dieser Zug in Bochum-Wattenscheid?“

Ich nickte. Lars auch.

„Gut. Ich habe nämlich auf dem Bahnsteig in Gütersloh gefragt. Da haben sie mich alle nur blöd angeguckt. Also diese Stadt ist nichts für mich. Da bleibe ich lieber in meinem Essen. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Wie heißt ihr eigentlich?“

Da wusste ich, das Lars Lars heißt.

Während Larissa im weiteren Verlauf der Fahrt duzte, entschied sie sich bei mir für das Sie. Da konnte ich mit leben. Wenigstens etwas Distanz.

„Können Sie mal eben meine Jacke nehmen? Ich muss mein Handy suchen. Wo habe ich das nur?“

Eine Erlaubnis, ihre Jacke auf meinen Schoß zu legen brauchte sie nicht. Also eigentlich schon, aber in ihrer Welt nicht.
Ich hatte also ihre Jacke auf dem Schoß, sie suchte ihr Handy.

„Wo müsst ihr denn raus?“.

Lars in Kamen – ich in Ahlen

Im weiteren Verlauf klärte sie noch kurz den Beruf von Lars. Er arbeitete bei Mercedes. Nach meinem Beruf fragte sie nicht.

„Ist Zug fahren nicht langweilig?“

Ich dachte bei mir: „Jetzt gerade würde ich mir Langeweile wünschen.“

„Fahr diese Strecke mal täglich mit dem Auto. Das ist Stress“, entgegnete ich stattdessen.

„Ich stand auf dem Bahnsteig und habe die Leute gefragt, wohin der Zug wohl fährt. Gesagt hat keiner was.“

Sollte der Leser an dieser Stelle verwirtt sein: Ich kann nichts dafür. Larissa schien Lieblingssätze zu haben, deren Wiederholung ihr wichtig waren.

„Der Typ dahinten sieht auch süß aus. Ich habe schon überlegt ob, ich mich dahinten hinsetze.“

Sollte Gott meine Gebete erhört haben?

„Aber ich habe ja einen Freund – na ja. Ich habe Sorgen.“

„Müsste jetzt nicht gleich Ahlen kommen?“

Larissa wollte mich loswerden. Das war klar.

„10 Minuten noch“, konterte ich.

„Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in Gütersloh. Aber neee. Ich bleibe lieber in meinem Essen. Komische Leute dort. Und auf dem Bahnsteig, da habe ich nur gefragt, ob der Zug nach Bochum-Wattenscheid fährt. Geantwortet hat mir keiner. Nee. Ich bleibe lieber in meinem Essen.“

Lars war mittlerweile eingenickt. Wahrscheinlich tat er nur so, um seine Ruhe zu haben. Das hinderte Larissa natürlich nicht daran, ihn nochmal zu fragen, was er eigentlich beruflich mache.

„Ich hatte ja ein Vorstellungsgespräch. Aber nee. Ich bleibe lieber in meinem Essen.“

Echt?

„Sehe ich eigentlich faltig aus?“

Ich konnte nicht anders: „Es gibt Schlimmeres.“

„Das ist genau das, was Frauen hören wollen“, raunzte sie.

Ich muste raus. Also jetzt wirklich. Meine Fahrt war wirklich zu Ende. Am liebsten hätte ich Lars noch mal kräftig in den Arm genommen.
Ich drehte mich um und stieg aus. Ich hörte noch einen letzten Satz von Larissa:
„Also auf dem Bahnsteig in Gütersloh: Komische Leute. Ich habe nur gefragt ob…..“

Armer Lars.

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