Alle die jetzt glauben, dass es während der folgenden Zeilen um pöbelnde, feiernde, betrunkene und „wofür brauche ich das Klo wenn es auch hier geht“ Fußballfans geht – weit gefehlt.
Stimmt. Auch dazu könnte ich jede Menge erzählen. Und ich werde es auch noch. Aber nicht heute.
Denn es gibt auch andere Zusammenhänge zwischen dem Fahren mit dem Zug und der schönsten Nebensache der Welt.
Das wurde mir bewusst, als ich vor ein paar Jahren mal wieder einen späten Zug nach Hause nahm. Ich war gerade von dem monotonen Wackeln schläfrig geworden als ich beschloss meine Schuhe auszuziehen und meine Füße dann auf den gegenüberliegenden Teil meines Vierers zu legen.
Die soeben beschriebene Reihenfolge ist wichtig und für den weiteren Verlauf der Geschichte entscheidend.
Ich sollte noch erwähnen, dass ich der einzige Fahrgast im gesamten Abteil war.
Ich setzte meine Fahrt also gemütlich fort, da kam der Zugbegleiter.
Ich kannte ihn bislang immer als freundlichen Gesellen. Heute Abend jedoch sollte sich das ändern.
Denn das normale Prozedere wurde mal eben umgekehrt.
Nicht ich zeigte ihm meine Fahrkarte, sondern er zeigte mir seine Karte.
Sie war gelb. Wie beim Fußball.
Darauf waren zwei Bilder. Ein trauriger Smiley hinter einer Person die, wie ich, die Füße auf dem gegenüberliegenden Teil des Vierers hatte. Der Teil des Bildes war darüber hinaus mit einem roten Strich durchgestrichen.
Auf dem zweiten Bild war der Smiley viel freundlicher, hob den Daumen nach oben und die Person darauf hatte die Beine normal übereinandergeschlagen, ohne den gegenüberliegenden Teil des Vierers auch nur zu berühren.
Diese gelbe Karte drückte mir der Schaffner in die Hand.
„Bitte nehmen Sie die Füße runter“, versuchte er so freundlich wie möglich zu sagen.
„Warum“, fragte ich. „Ich habe doch extra meine Schuhe ausgezogen.“
Es gehe um Sauberkeit und diese Kampagne sei neu. Und es sei ja unhygienisch, seinem Gegenüber die Füße entgegenzustrecken.
Ich blickte mich nochmals um, um zu kontrollieren ob sich die Fahrgastzahl in den 30 Sekunden in denen ich meine Augen geschlossen hatte so dramatisch verändert hatte.
Hatte sie nicht.
Ich versuchte noch zu erklären, dass ich damit ja niemanden stören würde, weil mir ja auch niemand gegenüber sitze. Aber das half auch nichts.
Ich musste die gelbe Karte an mich nehmen und bekam noch einen Hinweis mit auf den Weg.
Sollte ich in Zukunft noch einmal die Füße auf einem Sitz haben, sei die rote Karte und ein Bußgeld von 10 Euro fällig.
Ich hatte leider kein Geld bei. Sonst hätte ich gleich im Voraus bezahlt.
Der Schock drückte auf meine Blase. Ich suchte die Toilette auf. Die stank bestialisch nach Reinigungsmittel und Urin.
Ich nahm die gelbe Karte und klebte sie mit meinem Kaugummi an den Spiegel….